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PART II. From the Reformation to the

An Anthology of German Literature · Calvin Thomas — chapter 2 of 3 · ~4,270 words · public domain

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FROM THE REFORMATION TO THE CLASSICS OF THE EIGHTEENTH CENTURY

According to the Best Critical Editions

+XL. MARTIN LUTHER+

1483-1546. Some of the cardinal dates in a career that changed the course of history for the whole Germanic world are as follows: In 1517 Luther posted up the ninety-five theses at Wittenberg; 1520, burned the papal bull and issued the Address to the German Nobility; 1522, attended the Diet at Worms and refused to recant; in seclusion at the Wartburg translated the New Testament, which was published that same year; 1525, married Katharina Bora, a nun, having previously renounced monasticism; 1534, published the complete German Bible. Aside from the polemics, tractates, epistles, commentaries, and sermons, whereby he provoked, defended, and organized the Protestant revolt, Luther wrote a few short poems, mostly hymns for worship, also fables and aphorisms. But his great work was his translation of the Bible.

Of the selections below, No. 1 follows the Weimar edition of Luther, VI, 406; No. 3, the reprint in Müller’s German Classics, I, 488; Nos. 4 and 5, Kürschner’s Nationalliteratur, Vol. 15.

From the Address to the Nobility.

Die Romanisten haben drey mauren, mit grosser behendickeit, umb sich zogen, damit sie sich bissher beschutzt, das sie niemant hat mugenn reformierenn, dadurch die gantz Christenheit grewlich gefallen ist. Zum ersten, wen man hat auff sie drungen mit weltlicher gewalt, haben sie gesetzt und gesagt, weltlich gewalt habe nit recht ubir sie, sondern widderumb, geystlich sey ubir die weltliche. Zum andern, hat man sie mit der heyligen schrifft wolt straffen, setzen sie da kegen, Es gepur die schrifft niemant ausstzulegenn, den dem Bapst. Zum dritten, drewet man yhn mit einem Concilio, szo ertichten sie, es muge niemant ein Concilium beruffen, den der Bapst. Alsso haben sie die drey rutten uns heymlich gestolen, das sie mugen ungestrafft sein, und sich in sicher befestung disser dreyer maur gesetzt, alle buberey und bossheit zutreyben, die wir dan itzt sehen, und ob sie schon ein Concilium musten machen, haben sie doch dasselb zuvor mat gemacht, damit, das sie die fursten zuvor mit eyden vorpflichten, sie bleyben zulassen, wie sie sein, dartzu dem Bapst vollen gewalt geben ubir alle Ordnung des Concilii, alsso das gleich gilt, es sein vil Concilia odder kein Concilia, on das sie uns nur mit larven und spiegelfechten betriegen, szo gar greulich furchten sie der haut fur einem rechten freyen Concilio, und haben damit kunig und fursten schochter gemacht, das sie glewben, es were widder got, szo man yhn nit gehorchte in allen solchen schalckhafftigen, listigen spugnissen.

From the Bible of 1534: Psalm xlvi and Matthew v, 1-12.

Gott ist vnser zuuersicht vnd stercke, eine hülffe jnn den grossen nöten, die vns troffen haben.

Darum fürchten wir vns nicht, wenn gleich die welt vntergienge, Vnd die berge mitten jnns meer süncken.

Wenn gleich das meer wütet vnd wallet, Vnd von seinem vngestüm die berge ein fielen. Sela.

Dennoch sol die stad Gottes fein lüstig bleiben, mit jren brünlin, Da die heiligen wonungen des Höhesten sind.

Got ist bey jr drinnen, darumb wird sie wol bleiben, Gott hilfft jr frue. Die Heiden müssen verzagen, vnd die Königreiche fallen, Das erdreich mus vergehen, wenn er sich hören lesst.

Der HERR Zebaoth ist mit vns, Der Gott Jacob ist vnser schutz. Sela.

Kompt her, vnd schawet die werck des HERRN, Der auff erden solch zestören anrichtet.

Der den Kriegen steuret jnn aller welt, Der bogen zubricht, spies zuschlegt vnd wagen mit fewr verbrend.

Seid stille, vnd erkennet, das ich Gott bin, Ich wil ehre einlegen vnter den Heiden, ich wil ehre einlegen auff erden.

Der HERR Zebaoth ist mit vns, Der Got Jacob ist vnser schutz.

Da er aber das volck sahe, gieng er auff einen berg, vnd satzte sich, vnd seine Jünger tratten zu jm. Und er that seinen mund auff, leret sie vnd sprach: Selig sind, die da geistlich arm sind, denn das Himelreich ist jre. Selig sind, die da leide tragen, denn sie sollen getröst werden. Selig sind die senfftmütigen, denn sie werden das erdreich besitzen. Selig sind, die da hungert vnd dürstet nach der gerechtigkeit, denn sie sollen sat werden. Selig sind die barmhertzigen, denn sie werden barmhertzigkeit erlangen. Selig sind die reines Hertzens sind, denn sie werden Gott schauen. Selig sind die friedfertigen, denn sie werden Gottes kinder heissen. Selig sind, die vmb gerechtigkeit willen verfolget werden, denn das Himelreich ist jre. Selig seid jr, wenn euch die menschen vmb meinen willen schmehen vnd verfolgen vnd reden allerley vbels widder euch, so sie daran liegen. Seid frölich vnd getrost, Es wird euch im himel wol belohnet werden, Denn also haben sie verfolget die Propheten, die vor euch gewesen sind.

From the Epistle on Translating (1530).

Ich hab mich des gefliessen im dolmetschen, das ich rein vnd klar deudsch geben möchte. Vnd ist vns wol offt begegenet, das wir 14 tage, drey, vier wochen haben ein einiges Wort gesucht vnd gefragt, habens dennoch zuweilen nicht funden. In Hiob erbeiten wir also, M. Philips, Aurogallus vnd ich, das wir in vier tagen zuweilen kaum drey zeilen kundten fertigen. Lieber, nu es verdeudscht vnd bereit ist, kans ein jeder lesen vnd meistern. Leuft einer jtzt mit den augen durch drey oder vier Bletter, vnd stösst nicht einmal an, wird aber nicht gewar, welche Wacken vnd Klötze da gelegen sind, da er jtzt vber hin gehet wie vber ein gehoffelt Bret, da wir haben must schwitzen vnd vns engsten, ehe denn wir solche Wacken und Klötze aus dem wege reumeten, auff das man kündte so fein daher gehen. Es ist gut pflügen, wenn der Acker gereinigt ist. Aber den Wald vnd die Stöcke ausrotten, vnd den Acker zurichten, da wil niemand an. Es ist bey der Welt kein danck zu uerdienen. Kann doch Gott selbs mit der Sonnen, ja mit Himel vnd Erden, noch mit seines eigen Sons tod, keinen danck verdienen, Sie sey vnd bleibe Welt ins Teufels namen, weil sie ja nicht anders wil.

Also hab ich hie Röm. 3 fast wol gewusst, das im Lateinischen vnd Griechischen Text das wort sola oder solum nicht stehet, vnd hetten mich solchs die Papisten nicht dürffen leren. War ists, Diese vier buchstaben sola stehen nicht drinnen, welche buchstaben die Eselsköpff ansehen, wie die Küe ein new thor. Sehen aber nicht, das gleichwol die Meinung des Texts in sich hat, vnd wo mans wil klar vnd gewaltiglich verdeudschen, so gehöret es hinein. Denn ich habe Deudsch, nicht Lateinisch noch Griechisch reden wöllen, da ich Deudsch zu reden im Dolmetschen furgenommen hatte. Das ist aber die art vnser Deudschen sprache, wenn sich ein Rede begibt von zweien dingen, der man eins bekennet vnd das ander verneinet, so braucht man des worts allein neben dem wort nicht oder kein, Als wenn man sagt, Der Bawr bringt allein Korn, vnd kein Gelt; Item, ich hab warlich jtzt nicht gelt, sondern allein Korn, Ich hab allein gessen vnd noch nicht getruncken, Hastu allein geschrieben vnd nicht uberlesen? Vnd dergleichen unzelige Weise in teglichem brauch. In diesen reden allen, obs gleich die Lateinische oder Griechische Sprache nicht thut, so thuts doch die Deudsche, vnd ist jr art, das sie das wort allein hinzusetzt, auf das das wort nicht oder kein deste völliger vnd deutlicher sey. Denn man mus nicht die buchstaben in der Lateinischen sprachen fragen, wie man sol Deudsch reden, Sondern man mus die Mutter im hause, die Kinder auff der gassen, den gemeinen Man auff dem marckt drumb fragen, vnd denselbigen auff das Maul sehen, wie sie reden, vnd darnach dolmetschen. So verstehen sie es denn vnd mercken, das man Deudsch mit jnen redet.

+4+

+Ein feste Burg.+

Ein feste burg ist unser Gott, Ein gute wehr und waffen, Er hilfft uns frey aus aller not, Die uns itzt hat betroffen. Der alt böse feind 5 Mit ernst ers itzt meint, Gros macht und viel list Sein grausam rüstung ist, Auff erd ist nicht seins gleichen.

Mit unser macht ist nichts gethan, 10 Wir sind gar bald verloren, Es streit für uns der rechte man, Den Gott hat selbs erkoren. Fragstu wer der ist? Er heisst Jhesus Christ, 15 Der Herr Zebaoth, Und ist kein ander Gott, Das felt mus er behalten.

Und wenn die welt vol Teuffel wer Und wolt uns gar verschlingen, 20 So fürchten wir uns nicht so sehr, Es sol uns doch gelingen. Der Fürst dieser welt, Wie saur er sich stelt, Thut er uns doch nicht; 25 Das macht, er ist gericht, Ein wörtlin kan jn fellen.

Das wort sie söllen lassen stan Und kein danck dazu haben; Er ist bey uns wol auff dem plan 30 Mit seinem Geist und gaben. Nemen sie den leib, Gut, ehr, kind und weib, Las faren dahin; Sie habens kein gewin, 35 Das Reich mus uns doch bleiben.

+5+

+Frau Musica.+

Für allen freuden auf erden Kan niemand keine feiner werden, Denn die ich geh mit meim singen Und mit manchem süssen klingen. Hie kan nicht sein ein böser mut, 5 Wo da singen gesellen gut, Hie bleibt kein zorn, zank, hass noch neid, Weichen muss alles herzeleid, Geiz, sorg und was sonst hart anleit, Fert hin mit aller traurigkeit. 10 Auch ist ein jeder des wol frei, Das solche freud kein sünde sei, Sondern auch Gott viel bass gefelt, Denn alle freud der ganzen welt. Dem teufel sie sein werk zerstört 15 Und verhindert viel böser mörd. Das zeugt David des königs that, Der dem Saul oft geweret hat Mit gutem süssem harfenspiel, Das er nicht in grossen mord fiel. 20 Zum göttlichen wort und warheit Macht sie das herz still und bereit; Solchs hat Eliseus bekant, Da er den geist durchs harfen fand. Die beste zeit im jar ist mein, 25 Da singen alle vögelein; Himel und erden ist der vol, Viel gut gesang da lautet wol. Voran die liebe nachtigal Macht alles frölich überal 30 Mit irem lieblichen gesang; Des muss sie haben immer dank. Vielmehr der liebe Herre Gott, Der sie also geschaffen hat, Zu sein die rechte sengerin, 35 Der Musicen ein meisterin; Dem singt und springt sie tag und nacht, Seines lobs sie nichts müde macht. Den ehrt und lobt auch mein gesang Und sagt im ein ewigen dank. 40

+XLI. ULRICH VON HUTTEN+

1488-1523. An eminent humanist and poet laureate of knightly stock, Hutten had attacked the papacy in various Latin writings before resorting to the vernacular in support of Luther, of whose cause he became, in 1520, an ardent champion. The defeat of his friend Sickingen compelled him to flee to Switzerland, where he died on the island of Ufnau, in the Lake of Zürich.

The selections follow Kürschner’s Nationalliteratur, Vol. 17{2}, pages 249 ff., and pages 269 ff.

From the Poem ‘Complaint and Admonition.’

Hilf, werder Künig, es ist not! Lass fliegen auss des adlers fan! So wöllen wir es heben an. Der weingart gottes ist nit rein, Vil ungewächss ist kommen drein. 5 Der weytz des herren wicken tregt; Wer do zů nit sein arbeit legt Und hilfft das unkraut tilgen auss, Der würt mit gott nit halten hauss. Wir reuten auss unfruchtbarkeit 10 Und thůnd, als gott hatt selbs geseit, Zu dem, der solichs rauben pflegt, Do ers propheten mund bewegt. Du hast beraubt all nation, Drumb dir auch werden widerston 15 All völcker, überfallen dich, Berauben wider gwaltiglich. Fürwar, das würt ein gůtte that! Ich gib all frommen Teutschen rat, Seit sich nit bessert disser stadt. 20 Doch halt die frommen ich beuor, Der greiff man keinem an ein hor. Und die seind gůtter gschrifft gelert, Ich bitt, das keiner werd versert. Und wer ein geistlich leben fürt, 25 In disser sach bleib unberürt.-- All ding der Bapst hatt übermacht! Wer das dann hat zům bestengdacht, Den hatt er mit dem bann erschreckt. Ich hoff, es seyen schon erweckt 30 Vil teutscher hertzen, werden sich Der sachen nemen an, als ich. Ich hab ye gůt vormanung gthan, Ich hoff, sye lassen mich nit stan! Den stolzen Adel ich beruff, 35 Ir frommen Stett, euch werffet uff! Wir wöllents halten in gemein; Lasst doch nit streiten mich allein! Erbarmt euch übers vatterlandt, Ir werden Teutschen, regt die handt; 40 Yetzt ist die zeit, zůheben an Umb freyheit kryegen, gott wils han! Här zů! wer mannes hertzen hatt! Gebt vorter nit den lügen statt, Domit sye han vorkert die welt! 45 Vor hatt es an vormanung gfelt, Und einem, der euch sagt den grund, Kein ley euch damals weissen kund, Und waren nůr die pfaffen glert. Yetzt hatt uns gott auch kunst beschert, 50 Das wir die bücher auch verstan. Wollauff, ist zeyt, wir müssen dran!

+2+

+Ich habs gewagt.+

Ich habs gewagt mit sinnen Und trag des noch kain rew, Mag ich nit dran gewinnen, Noch můss man spüren trew; Dar mit ich main 5 Nit aim allain, Wen man es wolt erkennen, Dem land zů gůt, Wie wol man tůt Ain pfaffenfeint mich nennen. 10 Da lass ich ieden liegen Und reden, was er wil; Het warheit ich geschwigen, Mir wären hulder vil. Nun hab ichs gsagt, 15 Bin drumb verjagt, Das klag ich allen frummen, Wie wol noch ich Nit weiter fleich, Villeicht werd wider kummen. 20 Umb gnad wil ich nit bitten, Die weil ich bin on schult; Ich het das recht gelitten, So hindert ungedult, Dass man mich nit 25 Nach altem sit Zů ghör hat kummen lassen; Villeicht wils got, Und zwingt sie not, Zu handlen diser massen. 30 Nun ist oft diser gleichen Geschehen auch hie vor, Dass ainer von den reichen Ain gůtes spil verlor, Oft grosser flam 35 Von fünklin kam; Wer waiss, ob ichs werd rechen! Stat schon im lauf, So setz ich drauf: Můss gan oder brechen. 40 Dar neben mich zů trösten Mit gůtem gwissen hab, Dass kainer von den bösten Mir er mag brechen ab, Noch sagen, dass 45 Uff ainig mass Ich anders sei gegangen, Dan eren nach, Hab dise sach In gůtem angefangen. 50 Wil nun ir selbs nit raten Dis frumme nation, Irs schadens sich ergatten, Als ich vermanet han, So ist mir laid! 55 Hie mit ich schaid, Wil mengen bass die karten. Bin unverzagt, Ich habs gewagt Und wil des ends erwarten. 60 Ob dan mir nach tůt denken Der curtisanen list, Ain herz last sich nit krenken, Das rechter mainung ist! Ich waiss noch vil, 65 Wöln auch ins spil, Und soltens drüber sterben: Auf, landsknecht gůt Und reuters můt, Last Hutten nit verderben! 70

+XLII. THOMAS MURNER+

1475-ca. 1536. An Alsatian friar of the Franciscan order, Murner traveled much and won great prestige as a scholar. His earliest German writings, the Guild of Fools and the Exorcism of Fools, are metrical satires in the vein of Sebastian Brant. Though himself a sharp critic of clerical abuses, he could not brook the thought of a rupture with the Roman church. In the Great Lutheran Fool he assailed Luther scurrilously. His verse is mostly prosaic and often coarse, but there is a certain elegiac warmth in his song of thirty-five stanzas on the Downfall of the Christian Faith, which was published in the early days of the Lutheran revolt. A part of it is given below, the text according to Kürschner’s Nationalliteratur, Vol. 17{1}, page 62.

+Ain new Lied von dem undergang des Christlichen glaubens.+

Nun hört, ich wil euch singen, In brůder Veiten ton, Von ungehörten Dingen, Die laider iez fürgon: Wie dass mit falschen listen 5 Die christenhait zergat; Wan das die fürsten wisten, Sie täten zů der tat. Der hirt, der ist geschlagen, Die schäflin sein zerstreut, 10 Der bapst, der ist verjagen, Kein kron er me aufdrait, Und ist mit kainen worten Von Christo ie erstift; An hundert tausent orten 15 Ist gossen auss das gift. Der kaiser ist kain advocat, Gar hin ist sein gewalt, Den er ja zu der kirchen hat, Der schirm zu boden falt; 20 Sein gebot sein ganz verachtet, We armer christenhait, Wa undertäni brachtet, Und herschaft niderleit! Die patriarchen alle 25 Und cardinäl gemain, Die bischof sein im falle, Der pfarrer bleibt allain; Ja den die gmain erwelet Nach irem unverstand 30 Und für ain hirten zelet; Ach, we der grossen schand! Die minsten sein iez all gelert, Der vor nie beten kunt, Kain ler auf erden ie gehört, 35 Dorft nie aufton sein mund: Die widerfechten alle Die zierd der christenhait, Gent steur zů niderfalle Ir lob und herlichait. 40 Die mess, die sol nim gelten Im leben noch im dot, Die sacrament sie schelten, Die seien uns nit not; Fünf hon sie gar vernichtet, 45 Die andern lon sie ston Der massen zů gerichtet, Dass sie auch bald zergon. Wir sein all pfaffen worden, Baid, weiber und die man, 50 Wie wol wir hant kain orden, Kain weihe gnomen an. Die stiel ston auf den benken, Der wagen vor dem ross, Der glaub wil gar versenken, 55 Der grund ist bodenlos. Die pfaffen sein zerschlagen, Die münch sein auch zertrent, Mit luter stimmen klagen, Man hab sie lang geschent: 60 Uns alles für erlogen, Was sie hont ie gesait, Auss ihren fingern gsogen, Verfiert die christenhait. Wer iez zů mal kan liegen, 65 Veracht all oberkait, Das evangeli biegen Auf mort und herzenlaid: Dem lauft man zů mit schalle, Hanthabt in mit gewalt, 70 Biss unser glaub verfalle Und gar in eschen falt. Der apfel ist geworfen Der zwitracht, das ist war, In steten und in dorfen; 75 Und geben nit ain har, Ja nit ain meit auf erden Umb alle oberkait; Mit listen und gefärden Erdenkt man herzenlaid. 80 Das evangeli frone, Das was ein frölich mär, Von got eroffnet schone Zů frid von himel her: Das hont sie iez vergiftet 85 In mort und bitterkait; Es was zů freud erstiftet, Iez bringt es herzenlaid. Ich kan michs nit beklagen Ja über gotes wort, 90 Allain dass sies vertragen Und rinklen auf ain mort Das wort des ewigen leben Zů aufrůr und dem dot, Von Christo uns gegeben, 95 Das er auss lieb erbot.

+XLIII. THE REFORMATION DRAMA+

The spirit of Luther--opposition to the papacy and reliance on scripture--soon found expression in the acted drama. To illustrate this phase of the new literary movement three plays have been drawn on: first, a Swiss play, performed on the streets of Bern in 1522; second, a Low German play, performed at Riga in 1527; third, a midland play, performed at Kahla in 1535. The text of No. 1 follows Bächtold’s Bibliothek älterer Schriftwerke der deutschen Schweiz, II, 103; for No. 2 see Braune’s Neudrucke, No. 30; for No. 3, Tittmann’s Schauspiele aus dem 16. Jahrhundert, pages 21 ff.

From the ‘Contrast between the Pope and Christ,’ by Niklaus Manuel.

CLÄIWE PFLŮG

Vetter Rüede, was lebens ist nun vorhand? Mich dunkt, es sig aber neiwas nüws im land. Wer ist der gůt fromm biderman, Der da ein grawen rock treit an Und uf dem schlechten esel sitzt 5 Und treit ein kron, von dörnen gespitzt? Er ist on zwifel ein trut biderman, Das sich ich im wol an sim angsicht an; Es ist kein hoffart in im nit, Sin hofgesind im des zügnuss git: 10 Die im nachgand, hinkend und kriechen, Die armen blinden und feldsiechen. Schouw, was armer lüten gand im nach! Ich mein, dass er niemand verschmach. Die armen stinkenden ellenden lüt, 15 Sie hend doch kein gelt und gend im gar nüt. Das ist doch ein ellende unlustige schar Und gand ouch so gar gottsjämerlich dahar: Der lam, der ander blind, der dritt wassersüchtig! Und sitzt aber der gůt man so herzlich züchtig, 20 So ganz schämig und einfeltig uf dem tier. Lieber min etter Rüedi, wie gfalt er dir? Lieber etter, weistu, wer er ist, Ach, so sag mir’s ouch durch Jesum Christ!

RÜEDE VOGELNEST

Etter Cläiwe, ich bekennen in vast wol, 25 Darumb ich’s dir ouch billichen sagen sol! Er ist unser höchster schatz und hort, Er ist des ewigen vaters wort, Das in dem anfang was bi gott, Do er alle ding beschaffen wott, 30 Himmel und erden, tag und nacht. On in ist ganz nüt gemacht, Noch das firmament, noch der erdenklotz: Er ist der sun des lebendigen gotts. Es ist der süess, milt und recht demüetig, 35 Tröstlich, frölich, barmherzig und güetig, Heilmacher der welt, herr Jesus Christ, Der am crütz für uns gestorben ist In sinem dri und drissigsten alter, Unser schöpfer, erlöser und behalter, 40 Ein künig aller künig, herr aller herren, Den ouch die kreft der himel eren.

CLÄIWE PFLŮG

Verden plůst willen, ist das der? Wenn er halb als hoffertig wer, Als unser kilchherr und sin caplan, 45 So sähe er der bettler keinen an. Was gemeint der alt glatzet fischer darmit, Dass er so dapfer neben im dahar tritt, Und ouch die anderen biderben lüt? Weist du ouch, was doch das selb bedüt? 50

RÜEDE VOGELNEST

Der alt fischer das ist sant Peter. Der herr Jesus hat kein trumeter, Blind und lam sind sin trabanten. Und die in ein sun gottes erkanten, Das warend schlecht einvaltig lüt; 55 Die pfaffen schatztend in gar nüt Und widerstrebtend im alle zit, So straft er sie umb iren git Und ander süntlich wis und berden. Er kond nie eins mit inen werden. 60 Darumb sie in allwegen verstiessend Und zůletst am krütz ermörden liessend.

(Hie zwischen kam der bapst geritten in grossem triumph in harnisch mit grossem kriegszüg zů ross und fůss mit grossen panern und fenlinen von allerlei nationen lüt. --Sin eidgenossen gwardi all in siner farb, trumeten, pasunen, trummen, pfifen, kartonen, schlangen, hůren und bůben und was zum krieg gehört, richlich, hochprachtlich, als ob er der türkisch keiser wär. Do sprach aber)

CLÄIWE PFLŮG

Vetter Rüede, und wer ist aber der gross keiser, Der mit im bringt so vil kriegischer pfaffen und reiser Mit so grossen mechtigen hochen rossen, 65 So mencherlei wilder seltsamer bossen, So vil multier mit gold, samet beziert, Und zwen spicherschlüssel im paner fiert? Das nimpt mich frömbd und mechtig wunder. Wärind nit so vil pfaffen darunder, 70 So meinte ich doch, es wärind Türken und heiden. Mit denen seltsamen kappen und wilden kleiden....

RÜEDE VOGELNEST

Das weiss ich ouch und kan dir’s sagen. Man můss in uf den achslen tragen Und wil darfür gehalten werden, 75 Dass er sig ein gott uf der erden; Darumb treit er der kronen dri, Dass er über all herren si Und sig ein statthalter Jesu Christ, Der uf dem esel geritten ist. 80

CLÄIWE PFLŮG

Das möcht wol ein hoffertig statthalter sin! Das lit heiter am tag und ist ougenschin. Das sind doch warlich zwo unglich personen: Des ewigen gotts sun treit ein dörne kronen Und ist der armůt geliebt und hold; 85 So ist sins statthalters kronen gold Und benüegt sich dennocht nit daran, Er wil dri ob einandern han. So ist Christus fridsam, demüetig und milt, So ist der bapst kriegsch, rumorisch und wild 90 Und ritet dahar so kriegsch und fri, Grad als ob er voller tüflen si.

From the ‘Prodigal Son’ by Burkard Waldis.

VORLORN SZOHN

Ick seh vp erden hir keyn trost, Dar mit ick werden mocht erlöst. Wor ick my kere edder wende, Dar ys kummer an allen endenn. Vele dagelöner myn vader hefft, 5 Der keyn ynn solcken kummer lefft: Sze hebbent all tho male guedt Vnd hebben brodes ouerfloedt. Auers ick mach hir keyn trost erweruenn, Ick moeth von grotem hunger steruenn. 10 Ick will my schicken ynn de sakenn Vnd will my all thohand vpmakenn, Inn düsser moyge nicht lengher staenn. Will hen tho mynen vader gaenn Vnd spreken, vader, ick sy de mann, 15 De dar hefft alsso öuel gedaenn, Gesundiget ynn hemmel vnd vor dy, Dat laeth du nicht entgelden my. Dat ick geheten was dyn Szohn, Des will ick my nu gantz entslaen; 20 Ick bin des namens yo nicht werdt, Dat ick dyn szohn geheyten werde; Sunder nym my ynn dyne gemeyn, Make my als dyner dachlöner eynn. Darumm blyue ick nicht lenger hir. 25

VADER

Dat ys myn Szohn, den ick dar seh. Ick meynde, he hadde doet gewessenn: Nu seh ick woll, he ys genessenn Vnd leuet noch tho düsser stundt; Idt bewegt sick myns herten grundt. 30 My yamert syn elende groet, Ick seh, he ys ynn groter noeth; Ick kanss my werlich nicht entslaenn, Ick moeth ohm vorwar entegen gaenn.

(Hir gengk de vader entegen demm vorlornn Szohn.)

Myn leue szoen, wes my willkomenn! 35 Ick hebbe dyne grote noedt vornommenn. Vorwar, ick moet my dyner vorbarmenn. Kumm her, myn szohn, yn myne armenn, Lech dynen mundt ann myne wanghenn, Du schalst van my alle gnade erlangenn, 40 Vortruwe my dat vth hertzen grunde.

(VORLORN SZOHN veel nedder vor den Vader sprekende):

Ick seh wol, ick hebbe gnade fundenn. Ach vader myn, vnd ick bin dey, De dy hefft willen volgen nü, All tydt dyn geboden wedderstreuet 45 Vnd nü nha dynen willen geleuet. Ick hebbe gesundiget ynn ouermoedt, Inn hemmel vnd vor dy, vader guedt. De nahm my nicht mehr euen kumpt, Dat ick mach werden dyn szohn genümbt. 50 Du haddest ydt my tho voren gesecht, Ehr wenn ick van dy toch hen wech, Vnd hefft my gewarndt vor mynen schaden, Ick wolde my ouers nicht laten raden. Solcken kummer hefft keyn mynsch gesehn, 55 De my alleyne ys geschehn. Darumm, dat ick nicht, wo ick denn scholde, Dyns guden rades volgen wolde, Inn dyner straff nicht wolde leuenn, Darumm hefft my leydt vnd müg vmmgeuen. 60 Vor myne sunde vnd myssethat Is ouer my gegan alle quaedt. Myn sunde bekenne ick all vor dy, Bidde dy, vader, wes gnedich my; Ick hebbe gesundiget, ydt rowet my szehr. 65

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