An Anthology of German Literature is a public-domain classic of society and culture by Calvin Thomas.
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FROM THE EARLIEST TIMES TO THE SIXTEENTH CENTURY
In Modern German Translations
+I. THE LAY OF HILDEBRAND+
The only surviving remnant, in the German language, of the ancient heroic poetry cultivated by the Germanic tribes prior to their Christianization. The precious fragment consists of 69 alliterating verses, which are preserved in a Kassel manuscript of the 8th or 9th century. The language shows a mixture of Low and High German, there are gaps in the text, the meaning of several words is doubtful, and the versification is here and there defective. All this, which some account for by supposing that the manuscript was copied from a version which had been written down from memory and not perfectly recalled, makes translation difficult and uncertain. The poetic version here given is that found in Bötticher and Kinzel’s Denkmäler der älteren deutschen Literatur, 9th edition, 1905, which in the main follows Müllenhoff’s text and theories with regard to gaps, transpositions, etc. For a careful prose version by a very competent scholar see Kögel’s Geschichte der deutschen Literatur, I, i, 212.
Das hört’ ich sagen ... Dass zwei Kämpfer allein sich kamen entgegen, Hildebrand und Hadubrand, zwischen zwei Heeren. Sohn und Vater besorgten ihre Rüstung, Bereiteten ihr Schlachtkleid, die Schwerter fest sie gürteten, 5 Die Recken über die Ringe; dann ritten sie zum Kampfe. Hildebrand erhob das Wort; er war der hehrere Mann, In der Welt erfahrener. Zu fragen begann er Mit wenigen Worten, wer sein Vater wäre Von den Helden im Volke ... 10 ... “oder welcher Herkunft bist du? So du mir einen nennst, die andern weiss ich mir, Kind, im Königreiche: kund sind mir alle Geschlechter.” Hadubrand erhob das Wort, Hildebrands Sohn: “Das sagten längst mir unsere Leute, 15 Alte und weise, die früher waren, Dass Hildebrand hiess mein Vater; ich heisse Hadubrand ... Vorlängst zog er ostwärts, Otakers Zorn floh er, Hin mit Dietrich und seiner Degen vielen. Er liess elend im Lande sitzen 20 Das Weib in der Wohnung, unerwachsen den Knaben, Des Erbes beraubt, da ostwärts er hinritt. Dem mächtigen Otaker war er masslos erzürnt, Der beste der Degen war er bei Dietrich; Seitdem entbehrte Dietrich den Beistand 25 --Er war so freundlos-- meines Vaters: Der war dem Volke voran stets; fechten war immer ihm lieb. Kund war er manchen kühnen Mannen. Nicht wähne ich mehr, dass er wandelt auf Erden.” Hildebrand erhob das Wort, Heribrands Sohn: 30 “Das wisse Allvater oben im Himmel, Dass nimmer du Worte bis heute gewechselt Mit so nah gesipptem Mann.” ... Da wand er vom Arme gewundene Ringe, Aus Kaisermünzen gemacht, wie der König sie ihm gab, 35 Der Herrscher der Hunnen: “Dass ich um Huld dir’s gebe!” Hadubrand erhob das Wort, Hildebrands Sohn: “Mit dem Ger soll man Gabe empfahen, Spitze wider Spitze. Ein Späher bist du, Alter Hunne, (heimlich) lockst du mich 40 Mit deinen Worten, willst mit dem Speer mich werfen, Bist worden so alt nur immer Trug sinnend. Das sagten mir Leute, die zur See gefahren Westwärts über den Wendelsee: Hinweg nahm der Krieg ihn, Tot ist Hildebrand, Heribrands Sohn.” 45 Hildebrand erhob das Wort, Heribrands Sohn: ... “Wohl hör’ ich’s und seh’ es an deinem Harnisch, Dass du daheim hast einen Herrn so gut, Dass unter diesem Fürsten du flüchtig nie wurdest.” ... “Weh nun, waltender Gott, Wehgeschick erfüllt sich! 50 Ich wallte der Sommer und Winter sechzig, Da stets man mich scharte zu der Schiessenden Volk: Vor keiner der Städte zu sterben doch kam ich; Nun soll mit dem Schwerte mich schlagen mein Kind, Mich strecken mit der Mordaxt, oder ich zum Mörder ihm werden! 55 Magst du nun leichtlich, wenn langt dir die Kraft, An so altem Recken die Rüstung gewinnen, Den Raub erbeuten, wenn du Recht dazu hast! Der wäre der ärgste aller Ostleute, Der den Kampf dir weigerte, nun dich so wohl lüstet 60 Handgemeiner Schlacht! Es entscheide das Treffen, Wer heute sich dürfe der Harnische rühmen Oder der Brünnen beider walten!” Da sprengten zuerst mit den Speeren sie an In scharfen Schauern; dem wehrten die Schilde. 65 Dann schritten zusammen sie (zum bittern Schwertkampf), Hieben harmlich die hellen Schilde, Bis leicht ihnen wurde das Lindenholz, Zermalmt mit den Waffen....
+II. THE MERSEBURG CHARMS+
Two incantations that date back to pagan times, albeit the manuscript, discovered at Merseburg in 1841, is of the 10th century. The dialect is Frankish. No. 1 is for loosening a prisoner’s fetters, the other for curing the sprained leg of a horse. The translation is Bötticher’s.
Einst sassen Idise, sassen nieder hier und dort. Die hefteten Hafte, die hemmten das Heer, Die klaubten an den Kniefesseln: Entspring den Banden, entfleuch den Feinden!
Phol und Wodan ritten zu Walde. Da ward Balders Pferd der Fuss verrenket. Da besprach ihn Sinthgunt, (dann) Sonne, ihre Schwester; Da besprach ihn Frija, (dann) Volla, ihre Schwester; Da besprach ihn Wodan, wie er es wohl konnte, Sei’s Beinverrenkung, sei’s Blutverrenkung, Sei’s Gliedverrenkung: Bein zu Beine, Blut zu Blute, Gelenk zu Gelenken, als ob geleimt sie seien!
+III. THE WESSOBRUNN PRAYER+
A Christian prayer in prose, preceded by nine defective verses which probably preserve old epic turns of expression. The dialect is Bavarian, the theme that of Psalm XC, 2. The manuscript dates from the year 814. Wessobrunn was the seat of a Bavarian monastery.
Das erfuhr ich unter dem Volke als das vornehmste Wunder, Dass Erde nicht war, noch Überhimmel, Noch Baum (noch Stein?) noch Gebirge war; Dass (Stern?) gar keiner noch Sonne schien, Noch der Mond leuchtete, noch das Meer so herrlich. Und als da nichts war von Enden noch Wenden, Da war der eine allmächtige Gott, Der Männer mildester, und manche waren mit ihm Glorreiche Geister. Und Gott der heilige....
Allmächtiger Gott, der du Himmel und Erde geschaffen, und der du den Menschen so vieles Gute verliehen hast, gib mir in deiner Gnade rechten Glauben und guten Willen, Weisheit und Klugheit und Kraft, den Teufeln zu widerstehen und Böses zu vermeiden und deinen Willen zu wirken.
+IV. THE MUSPILLI+
A fragment of 103 alliterating verses written in the Bavarian dialect and dating from the 9th century. The beginning and end of the poem are lost. The extant verses describe the fate of the soul after death and the terrors of the final judgment. The title, which means ‘destruction of the earth,’ was given to the fragment by Schmeller, its first editor (1832). The translation is Bötticher’s.
Lines 31-56: The battle of Elias and Antichrist and the ensuing world-fire.
So hört’ ich künden Kund’ge des Weltrechts, Dass der Antichrist wird mit Elias streiten. Der Würger ist gewaffnet, Streit wird erhoben: Die Streiter so gewaltig, so wichtig die Sache. Elias streitet um das ewige Leben, 35 Will den Rechtliebenden das Reich stärken; Dabei wird ihm helfen, der des Himmels waltet. Der Antichrist steht bei dem Altfeinde, Steht beim Satan; er wird ihn versenken: Auf der Walstatt wird er wund hinsinken 40 Und in dem Streite sieglos werden. Doch glauben viele Gottesgelehrte, Dass Elias auf der Walstatt Wunden erwerbe. Wenn Elias’ Blut auf die Erde dann träufelt, So entbrennen die Berge, kein Baum mehr stehet, 45 Nicht einer auf Erden, all Wasser vertrocknet, Meer verschlingt sich, es schwelt in Lohe der Himmel, Mond fällt, Mittelgart brennt, Kein Stein mehr steht. Fährt Straftag ins Land, Fährt mit Feuer, die Frevler zu richten: 50 Da kann kein Verwandter vor dem Weltbrand helfen. Wenn der Erdflur Breite ganz nun verbrennt, Und Feuer und Luft ganz leer gefegt sind, Wo ist die Mark, wo der Mann stritt mit den Magen? Die Stätte ist verbrannt, die Seele steht bedrängt, 55 Nicht weiss sie, wie büssen: so wandert sie zur Pein.
Lines 73-84: The summons to the last judgment.
Wenn laut erhallet das himmlische Horn, Und sich der Richter anschickt zur Reise, Dann erhebt sich mit ihm gewaltige Heerschar, 75 Da ist alles so kampflich, kein Mann kann ihm trotzen. So fährt er zur Richtstatt, wo errichtet der Markstein, Da ergeht das Gericht, das dorthin man berufen, Dann fahren die Engel hin über die Marken, Wecket die Toten, weisen zum Thinge. 80 Dann wird erstehen vom Staube männiglich, Sich lösen von Grabes Last; dann wird das Leben ihm kommen, Dass all seine Sache er sagen müsse, Und nach seinen Werken ihm werde das Urteil.
+V. THE HELIAND+
An Old Saxon Messiad written in the first half of the 9th century (between 814 and 840) for the purpose of familiarizing the lately converted Saxons with the life of Christ. Nothing is known of the author except that he was a learned cleric who had some skill in handling the old alliterative verse, which had now nearly run its course. A few verses are lacking at the end of the poem, which breaks off, with the story nearly all told, at line 5983. The name ‘Heliand,’ Old Saxon for ‘Savior,’ was given to the poem by Schmeller, who edited it in 1830. The selections are from Edmund Behringer’s Heleand, 1898.
Lines 1189-1202: The calling of Matthew to discipleship.
Da wanderte des Waltenden Sohn Mit den vieren vorwärts; sich den fünften dann erkor 1190 Kristus an einer Kaufstätte, eines Königes Jünger, Einen mutigen, klugen Mann, Mattheus geheissen, Er war beamteter edler Männer. Er sollte zu Händen seines Herrn hier annehmen Zins und Zoll. Treue zeichnete ihn aus, 1195 Den angesehenen Adeligen; alles zusammen verliess er, Gold und Geld, die Gaben in Menge, Hochwerte Schätze, und er ward unseres Herrn Dienstmann. Es erkor sich des Königs Degen Kristus als Herrn, Der milderen Gemütes gab, als der, dessen Mann er war, 1200 Ihn, der waltet über diese Welt; wonnigere Gaben gewährt dieser, Lange währende Lebensfreude.
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